Weltcup-Feeling im malerischen Québec City

Nachdem nun alle wichtigen diplomatischen Entscheidungen getroffen wurden (s. hierzu MUN in Montreal) – Pakistan spielt nach wie vor eine weniger wichtige Rolle im Wettlauf um die Ressourcen der arktischen See, verdammt aber auch … – konnten wir nach langen Konferenztagen unsere kleine Rundreise durch den Osten Kanadas antreten. Die Routenplanung im zweitgrößten Land der Erde bringt in Anbetracht der Größe des Landes gewisse Herausforderungen mit sich: Alleine die Distanz zwischen Montreal im Osten und Vancouver im Westen beträgt über 4.500 Kilometer und 45 Stunden Fahrzeit – ohne Pausen versteht sich. Vergleicht man unsere Route (s. links) mit der Größe Kanadas (s. rechts) erkennt man schnell, dass 2.000 Kilometer mit dem Mietwagen nur einen vagen Eindruck von dem vermitteln was Kanada zu bieten hat.

Eine Nation innerhalb einer Nation – Das verwunschene, malerische Québec befindet sich in der gleichnamigen Region, die im Gegenteil zu allen anderen Provinzen in Kanada ausschließlich französisch-sprachig geprägt ist und somit den größten frankophonen Bevölkerungsanteil stellt. Ob Supermarkt, Fastfoodkette oder Tankwart – dass Menschen in einem englischsprachigen Land kein Englisch sprechen überraschte mich schon sehr. Darüber hinaus sind die Kosten für Geschwindkeitsüberschreitungen und Bier spürbar höher als in der benachbarten Ontario-Region (Ottawa, Toronto). Letzteres war mit dafür verantwortlich, dass wir unseren für zwei Tage angesetzten Aufenthalt nicht weiter verlängerten …

Abseits von verwunderlichen Gesetzen und vergleichsweise eingeschränkten Alltagsgesprächen, die auf Grund sprachlicher Barrieren auftreten, verzaubert Québec mit kleinen Gassen, historischen Gebäuden und der bergigen Hanglage über dem St.-Lorenz-Strom. Damit weist die Provinz-Hauptstadt nicht nur wegen ihrer eigenen Art gegenüber anderen Regionen Parallelen zum schottischen Edinburgh auf, sondern auch auf Grund der gemütlichen, unbekümmerten und verträumten Lebensweise seiner Bewohner – der Québécois.

Weltcup-Feeling im Parc des Champs-de-Bataille – an diesem Wochenende fand der Skilanglauf-Weltcup in Québec statt, der jährlich von Oktober bis März ausgerichtet und durch den Skiweltverband organisiert wird. An diesem für die historische Entwicklung Kanadas und die heutige territoriale Aufteilung so bedeutsamen Ort, schließlich fand hier 1759 die Schlacht zwischen französischen und britischen Truppen statt, erlebten wir Couch-Wintersportler an diesem Wochenende nahezu perfekte Wettkampfbedingungen. Dass mit Alex Harvey am Ende sogar ein Kanadier die 3 x 1,5 KM als schnellester Rennläufer zurücklegte sorgte bei den Zuschauern für tosenden Applaus. Kurios: Beim Schlussspurt der Männer sprintete ein Hund auf die Bahn und überquerte die Ziellinie noch vor den Sportlern.

Roadtrip durchs kanadische Hinterland – Die nächsten 1500 Pisten-Kilometer führten uns durch den Mont-Tremblant National Park und das Papineau-Labelle Reservat, wohlwissend dass es in den letzten Tagen reichlich geschneit hatte und die Route zu dieser Jahreszeit üblicherweise nicht von Touristen angesteuert wird. Mit großem Tank, drei motivierten Fahrern und der Absicht, mehr von der viel umschriebenen Landschaft und dem Mythos Kanada zu entdecken, fuhren wir spontan Richtung Norden. Während die ziemlich gut ausgebaute Straße über hunderte Kilometer geradeaus verlief, beeindruckten uns vor allem die zahlreichen zugefrorenen Seen am Straßenrand. Als Übernachtungsplätze dienten straßennahe Motels, die zu dieser Jahreszeit kaum ausgebucht waren und uns den ein oder anderen wertvollen Reisetipp mit auf die Straße gaben.

Übernachtung in der Bundeshauptstadt – Königin Victoria wurde 1857 dazu aufgefordert eine Hauptstadt für Kanada auszuwählen, und sie entscheid sich für Ottawa. Seitdem ranken sich mehrere Legenden darum wieso sie sich gerade für Ottawa entschied: eine Hutnadel, die sie zur Hälfte zwischen die größeren Städte Toronto und Montreal steckte, eine strategisch bessere Lage, da das benachbarte Toronto gegenüber Ottawa im Falle eines Krieges zuerst angegriffen werden würde, oder zum anderen weil Ottawa an der Sprachgrenze liegt, sowohl französisch- als auch englischsprachig ist und daher für beide Sprachgruppen akzeptabel sei. Sei es drum. Seitdem befinden sich Bundesparlament, Menschenrechtskommission und der Oberste Gerichtshof von Kanada in der Hauptstadt Ottawa.

 


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