Panama City – Gegensätze ziehen sich an

 

Panama City – auf der Suche nach einem tropischen Weihnachtsdomizil mit karibischem Flair und „grüner Natur“ sind wir in Mittelamerika fündig geworden. Nach zehn Tagen Pura Vida in Costa Rica sind wir mittlerweile im Nachbarland Panama angekommen. Panama City begrüßt uns mit einer einzigartigen Mischung aus indigenen, afrokaribischen und spanischen Einflüssen, die sich in Architektur, Küche und Traditionen widerspiegeln. Wir schlendern zwischen moderner Banken-Skyline und dem historischem Stadtviertel Casco Viejo, das mit seinen pastellfarbenen Gebäuden zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Wir besuchen zudem die berühmteste Sehenswürdigkeit des Landes – den vor über 200 Jahren konzipierten Panamakanal, der den Atlantischen Ozean mit dem Pazifischen Ozean verbindet und als technisches Weltwunder gilt (Teil 1/2). Im Anschluss „testen wir den Ausstieg“ und lassen uns für einige Tage im unberührten und abgeschiedenen karibischen Inselparadies San Blas nieder (Teil 2/2).


Am Vorabend des Abfluges informieren wir uns in San José, was uns im Nachbarland erwartet. Wir lesen von einer einzigartigen Mischung aus wirtschaftlicher, politischer und sozialer Stabilität, die Panama zu einem beliebten Ort in Lateinamerika macht und Touristen, Investoren und Einwanderer aus der ganzen Welt anzieht. Die Natur und Tierwelt lockt mit einer riesigen Artenvielfalt und vielen Nationalparks und Schutzgebieten, an der Karibikküste gibt es wunderschöne Sandstrände und einsame Inseln, die für ihre entspannte Atmosphäre und hervorragenden Tauch- und Schnorchelmöglichkeiten geschätzt werden. An Land treffen verschiedenste Kulturen aufeinander – die traditionelle Handwerkskunst zur Herstellung von Panamahüten, Molas und Pollera-Kleidern wurde jedoch über Jahrhunderte bewahrt. Darüber hinaus ist von farbenfrohen Gebäuden, leckerem Essen und regem Nachtleben die Rede. Der Besuch des Panamakanals samt ihrer Schleusen und Museen wird als „Muss“ beschrieben – viel Programm für zehn Tage!

Während des knapp einstündigen Fluges sehen wir zunächst satte, grüne Wälder. Dabei handelt es sich um Regen-, Nebel-, Mangroven- und Trockenwälder, die etwa zwei Drittel der Fläche Panamas ausmachen und überwiegend in Schutzgebiete eingeteilt sind. Als wir uns Panama City aus der Luft nähern, verändern sich die Farben. Wir überfliegen zunächst den südlichen Zugang zum Panamakanal und die nahegelegene Miraflores-Schleuse, bevor wir einen Blick auf die mit Wolkenkratzern und modernen Neubauten gespickte Skyline von Panama City bekommen: Das mit über 300 Metern höchste Gebäude Mittelamerikas, der F&F Tower bzw. das Trump Ocean Club International Hotel, ragt dabei aus der Reihe. Für die Einreise selbst benötigen Deutsche kein Visum. Wir verlassen den internationalen Flughafen Tocumen mit einem lokalen Taxi, passieren die bunten Vororte der Hauptstadt und schlängeln uns schließlich durch die hohen Wolkenkratzer-Viertel, die unsere Blicke am Tag und auch in der Nacht auf sich ziehen.

 


Panama City ist facettenreich und wirkt wie eine Millionenmetropole, trotzdem leben hier nur etwa 800.000 Menschen, und damit knapp ein Drittel der Bevölkerung. Das Klima ist tropisch und pendelt ganzjährig zwischen 30 und 33°C. Uns überraschen in den ersten Tagen vor allem die Kontraste zwischen grünen Nationalparks, glänzenden Bankenvierteln (die insbesondere seitdem Leak der Panama Papers 2016 die Titelseiten verschiedener Tageszeitungen zieren) und einfachen Wohnsiedlungen der ärmeren Bevölkerung. Panama City wirkt wie eine widersprüchliche Stadt: Auf der einen Seite gibt es das historische Viertel Casco Viejo, auch bekannt als Casco Antiguo oder San Felipe, das zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. In diesem Viertel stehen wunderschöne restaurierte Gebäude aus der Kolonialzeit, die gute Einblicke in die spanische Kolonialarchitektur geben. Auf der anderen Seite wird das moderne Stadtbild von klobigen Wolkenkratzern und Bank-Towern geprägt, die den Status Panamas als wichtiges Finanzzentrum in Lateinamerika untermauern.

Wir erkunden zunächst die Altstadt Casco Viejo, die im Jahr 1673 auf einer vorgelagerten Halbinsel mit hohen Schutzmauern gegründet und im 18. Jahrhundert durch einen Brand nahezu vollständig zerstört wurde. Ein Großteil der heute bestehenden Gebäude stammt somit aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Während viele Häuser gepflegt und renoviert wurden, sind einige Gebäude heruntergekommen und baufällig. Bunte, pastellfarbene Hausfassaden, grün bepflanzte Balkone, schmale Gassen mit Kopfsteinpflaster, handgemachte Stoffe und alte Handwerkskunst – seit 1997 gehört das Viertel zum Weltkulturerbe. Wir stoppen in einigen kleinen Cafés und probieren die traditionelle panamaische Küche. Fisch und Meeresfrüchte werden hier frisch gekocht und sind ziemlich günstig zu bekommen. Ein weit verbreitetes Gericht ist Ceviche, speziell zubereiteter roher Fisch mit Zwiebeln in Zitronensoße. Das wohl gängigste Gericht ist arroz con pollo, also Reis mit Hühnchen. Wahlweise wird die Mahlzeit durch Fisch, Meeresfrüchte, Mais, Bohnen oder Kochbananen – den sogenannten plátanos – ergänzt. Wir werfen danach einen Blick auf den Stadtpalast, das Nationaltheater, die Residenz des Präsidenten und das Museum des Panamakanals – über eben jene Wasserstraße informieren wir uns allerdings direkt vor Ort.

 


Wir besuchen den künstlich angelegten 82 Kilometer langen Panamakanal, der seit 1914 den Atlantik mit dem Pazifik verbindet. Pro Jahr durchqueren etwa 14.000 Schiffe die Passage und fertigen dabei rund fünf Prozent des weltweiten Seefrachtverkehrs ab. Für eine Durchfahrt benötigt ein Schiff etwa 15 Stunden – die Alternativroute um das Kap Horn in Südamerika würde knapp drei Wochen dauern! Die Schleusen werden immer paarweise geöffnet, für jede Verkehrsrichtung eine. Dadurch ist es möglich, Höhenunterschiede von bis zu 26 Metern zu überwinden. Der Eintritt zum Besucherzentrum der Miraflores-Schleuse ​kostet 15 panamaische Balboa bzw. USD – die Währung ist eins zu eins an den USD gekoppelt. Hier gibt es neben Hintergründen zur Geschichte und zum Betrieb verschiedene Aussichtsterrassen, um die ein- und ausfahrenden Schiffe beim Schleusen zu beobachten.

Zum heutigen Reichtum des kleinen Landes hat die Wasserstraße maßgeblich beigetragen – jährlich fließen der Wirtschaftsleistung Einnahmen von rund $3 Milliarden zu. Die Idee, einen Kanal durch Panama zu bauen, wurde bereits im 16. Jahrhundert vorgeschlagen, aber erst im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert umgesetzt, als die USA die strategischen und wirtschaftlichen Vorteile dieser direkteren Verbindung in Mittelamerika erkannten. Die Reise um die Spitze Südamerikas, um von einem Ozean zum anderen zu gelangen, war lang, gefährlich und teuer. 1902 handelte die US-Regierung einen Vertrag über die Rechte für den Bau mit Kolumbien aus, das Panama damals kontrollierte. Der kolumbianische Senat lehnte den Vertrag jedoch ab, und so unterstützten die USA eine Revolution in Panama, um sich von Kolumbien zu lösen – das gelang so weit.

Nachdem Panama unabhängig geworden war, handelten die USA einen neuen Vertrag mit Panama aus, der den USA das Recht zum Bau und zur Kontrolle des Kanals einräumte. Der Bauarbeiten begannen 1904 und dauerten bis zur offiziellen Eröffnung über ein Jahrzehnt. Dabei kontrollierten die USA neben der Passage auch das von Regenwald, Flüssen und Bergen umgebene Land, und stellten erhebliche finanzielle und personelle Ressourcen bereit. Unter anderem wirkten viele Tausende von Arbeitern aus der ganzen Welt am Bau mit. Obwohl die USA den Kanal 1999 an Panama bzw. die staatseigene Panama Canal Authority übergeben haben, besitzen sie bis heute weitgehende Rechte: das beinhaltet neben der ständigen Überwachung (die US-Botschaft liegt keine zehn Fahrminuten von der Schleusen-Einfahrt entfernt) auch ein spezielles Vorfahrtsrecht für US-amerikanische Kriegsschiffe der Marine.

 


Während unserer Rückfahrt halten wir im Metropolitan National Park, dem einzigen tropischen Naturschutzgebiet innerhalb von Stadtgrenzen in ganz Zentralamerika. Er ist der größte und älteste Nationalpark und befindet sich im Herzen der Hauptstadt, umgeben von Wohngebieten und einigen der wichtigsten Verkehrsstraßen. Vom höchsten Punkt, dem Aussichtspunkt Mirador Cerro Cedro, hat man einen guten Blick auf Panama City. Anders als in Costa Rica begegnen wir hier einigen Faultieren: Diese sind dafür bekannt, dass sie sich sehr gut tarnen und in freier Wildbahn nur schwer zu sehen sind. Faultiere verbringen etwa 15 bis 20 Stunden am Tag mit Schlafen, sind hauptsächlich nachtaktiv und bewegen sich äußerst langsam. Sie haben sich an das Leben in den Baumkronen angepasst, und fügen sich optimal in ihre Umgebung ein. Ihr Fell ist lang und zottelig und oft mit grünen Flecken bedeckt, die ihnen helfen, sich hinter Blättern und Bäumen zu verstecken. 

 


Über Kommentare, Anmerkungen und Tipps freue ich mich immer sehr, schickt daher gerne eine Email an info@globaltravelling.de.

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