Über Dürrenot und Wasserüberfluss – Höhenspiele am Blyde River Canyon

Endlich, es hat geregnet. Südafrika kann auch Regen. Wer hätte das gedacht… der erste Niederschlag seit acht Wochen, und was für einer. Blitze, Donner, Orkanböen und Starkregen. Auch wenn dies keine spürbaren Auswirkungen auf die größte Herausforderung – Bekämpfung des Wassermangels (in Südafrika und vielen anderen Ländern auf dem Kontinent) – haben wird: Die Menschen in Mpumalanga werden sich gefreut haben, schließlich wird ihre Provinz als „Kornkammer des Landes“ bezeichnet, in der sich 46 Prozent der furchtbaren Ackerböden des Landes befinden.

Das Wetterphänomen El Niño sorgte im südlichen Afrika für die schlimmste Dürre seit den 1990er Jahren – die Entwicklungsgemeinschaft SADC hat bereits den regionalen Dürrenotstand ausgerufen. Ausbleibender Regen führt zu Ernteausfällen und dies führt wiederum zu Preisanstiegen bei den Grundnahrungsmitteln, die vor allem einkommensschwache Haushalte treffen. Innerhalb des letzten Jahres ist der Preis für einen durchschnittlichen Warenkorb um 10 Prozent gestiegen, der Preis für Obst und Gemüse um 18 Prozent – 18 Millionen Menschen sind auf Nahrungsmittelnothilfen angewiesen.

Der anstehende Besuch von Barbara Hendricks wird daran leider nichts ändern – am Freitag besucht uns die Bundesumweltministerin und nimmt an der internationalen Artenschutzkonferenz in Johannesburg teil. Arten- und Naturschutz, Wiedergewinnung von Waldflächen und Wildereibekämpfung sind die Hauptthemen, über die im Rahmen von CITES – dem Washingtoner Artenschutzabkommen – verhandelt wird. Insbesondere für die Aufrechterhaltung des geltenden Handelsverbots von Elfenbein und Nashornhorn wird sie plädieren. In Anbetracht dessen, dass jährlich über 30.000 afrikanische Elefanten illegalen Wilderern zum Opfer fallen und der Bestand in vielen Regionen stark gefährdet ist, ist das die einzig vertretbare Meinung.


Des einen Freud ist des anderen Leid – während der einsetzende Regen also vielen Menschen volle Wasserspeicher und zumindest vorübergehend nasse Felder beschert hat, hat er unser Programm nicht großartig eingeschränkt, aber immerhin beeinflusst. Der Blyde River Canyon ist ein 26 Kilometer langer und in Teilen 800 Meter tiefer Canyon, den man direkt am Krüger National Park ansteuern kann – und zwar in der angesprochenen Provinz Mpumalanga.


Die idyllischste Tankstelle überhaupt? Der Alzu Petroport auf der N4, die bis nach Maputo in Mosambik führt, beherbergt neben Cafes und Restaurants ein direkt angrenzendes Wildreservat, in dem Nashorn, Büffel, Zebra, Strauß & Co. zusammen leben. So kann der Tankstopp schnell mal über eine Stunde dauern …

Um zum Canyon selbst zu gelangen fährt man idealerweise die Panorama Route, die in Graskop (unserem Unterkunftsort für die Nacht auf Samstag) startet und entlang an den Berlin, Lisbon und MacMac Wasserfällen zu verschiedenen Look Outs führt, die mittlerweile alle sehr stark vom Tourismus geprägt sind. Wie etwa …

… die Potholes bei Bourke’s Luck. Die verschiedenen Felsformationen sind durch das fließende Wasser von Treur River und Blyde River entstanden. Diese sind ineinander übergangen und maßgeblich für die Entstehung der sogenannten Potholes – Strudellöcher – verantwortlich.

… dem etwas vernebelten Aussichtspunkt God’s Windows im Lowveld-Regenwald.

… oder aber den Three Rondavel’s, die den schönsten und umfassendsten Blick auf den Blyde River Canyon offenbaren. Auf 1.400 Meter Höhe kann man die Rondavels – die der typische Bauweise für südafrikanische Häuser mit Strohdach ähneln – auch bei schlechten Witterungsbedingungen beobachten und zudem seine Höhenangst bekämpfen.

… auch die Berlin Falls lohnen für einen kurzen Zwischenstopp. Für 40 Cent pro Person kann man während der kurzen Erkundungstour sogar sein Auto waschen lassen. Mit knapp 80 Metern sind sie zwar nicht annähernd so groß wie der sich im gleichen Land befindende, weltweit zweitgrößte Thukela-Wasserfall, aber immer noch hübsch anzusehen.

Nach Übernachtung in der Mariepskop View Lodge in unmittelbarer Nähe zum Canyon haben wir vor unserer Rückfahrt den etwas versteckten Blyderivierpoort Dam (Staudamm) besucht, der uns trotz (oder gerade wegen?) seiner dunklen Farben und einsamen Lage von einem kleinen Spaziergang überzeugte.


Über Kommentare, An- oder Bemerkungen freue ich mich immer sehr, schickt daher gerne eine Email an marius.knickenberg@gmail.com.