Quad Tour und Horse Ride im Golden Gate Highlands National Park

Der erste schöne Ort in Südafrika? Während Südafrika in erster Linie mit reichen Kulturen, lebensfrohen Leuten, tollem Essen und ausgesprochen vielseitigen & schönen Landschaften glänzt, erwecken die meisten Städte und Ortschaften einen müden, grauen und tristen Eindruck. Johannesburg, Pretoria, Durban – sie alle sind eher abschreckend als einladend (wenn man von den zahlreichen 5*-Hotels und den Festungen der Superreichen in Sandton, dem teuersten Stadtteil Afrikas in Johannesburg, absieht). Dieses Wochenende sah es etwas anders aus …

… nämlich in Clarens, einer gemütlichen, künstlerischen Kleinstadt mit Saloons, Galerien, Coffee Shops sowie Pubs und Restaurants. Es gibt kaum feste Straßen, dafür umso mehr unbefestigte Sandpisten – und für die Alteingesessenen stehen vor manchen Läden immer noch Baumstümpfe, an denen man sein Pferd „parken“ kann. Und wer nicht auf dem Ross daher kommt, der fährt standesgemäß mit Pick-Up oder Truck.  In den Bars trinken die Einheimischen neben Whisky und deutschem Schnaps vorwiegend doppelten Brandy-Cola und Jägermeister und lauschen Musik aus den 60ern und 70ern. Ein guter, alter Western eben …


Nur etwa 18 Kilometer von Clarens entfernt befindet sich der Golden Gate Highlands National Park, der die Besucher mit gelb-rötlichen Sandsteinformationen und zahlreichen Tierarten beeindruckt. Etwas abseits der öffentlichen Hauptstraße kann man zwei Loops (Schleifen) fahren, die an (nach den letzten Regenfällen) grün-bewachsenen Landschaften mit Wildpferden sowie Antilopen- und Zebra-Herden vorbeiführen. Wir entschieden uns für eine einstündige Reittour – wer den Rücken eines Pferdes nicht genauer kennengelernt hat wird froh sein, wenn es sich beim ersten Ritt um „nur“ eine Stunde handelt – und eine zweistündige Quadtour durch die Berge und das an Clarens angrenzende Township Kgubetswana.

Laut Quad-Guide Paulus gehört Kgubetswana zu den „besseren“ Townships in Südafrika. Die meisten Haushalte sind an das lokale Stromnetz angebunden, nahezu alle „Häuser“ verfügen  über einen Wasseranschluss, es gibt keinen Waffen- oder Drogenhandel und Kinder können relativ frei und unbeschwert auf der Straße spielen. Ob dies wirklich der Fall ist kann man vermutlich nur nach einigen Stunden Aufenthalt vor Ort sagen. Nach wie vor seltsam, dass es mittlerweile – über 20 Jahre nach Ende der Apartheid – immer noch tausende Gegenden gibt, in denen gut-entwickelte Städte an provisorische, vom gesellschaftlichen Leben abgekoppelte Behilfsbauten grenzen.

Bereits am ersten Abend sind wir bei Whisky und Brandy-Cola in der Clarens Brewery versackt (nach nun mehr sieben Wochen darf man sich ja auch mal anpassen … wer will es uns bei einem so reichhaltigen kulinarischen Angebot verübeln …) und haben Cathy und Gary, ein südafrikanischen Ehepaar in den Mittvierzigern, kennengelernt. Die beiden kommen aus Johannesburg, haben selbst viele Jahre im Ausland gelebt und gearbeitet und an diesem Wochenende ihr sechsjähriges Hochzeitsjubiläum („anniversary“) in Clarens gefeiert. Da wir uns auf Anhieb gut verstanden haben und viele interessante Gesprächsthemen hatten – Gary interessierte sich sehr für Auslandsaufenthalte und das Praktikantenprogramm, das in europäischer Form in vielen Ländern nicht existiert – haben wir den sechsten Jahrestag am Samstag Abend gemeinsam gefeiert. Prost und herzlichen Glückwunsch.


Über Kommentare, An- oder Bemerkungen freue ich mich immer sehr, schickt daher gerne eine Email an marius.knickenberg@gmail.com.