Next Stop: Dundee – Erasmus in Schottland

601 Tage sind seit dem letzten Blobeitrag vergangen. Umzug und Studium habe ich wunsch- und planungsgemäß zum 01. April 2014 in Bayreuth aufgenommen. Das aktuell vierte Hochschulsemester verbringe ich im Rahmen eines Erasmus-Aufenthaltes in Dundee, Schottland. Unweit von Schottlands Hauptstadt Edinburgh, der Heimat von Harry Potter und dessen Autorin J.K.Rowling und von St. Andrews, wo der Golfsport erfunden wurde und wo sich Prinz William und Herzogin Kate kennenlernten, liegt Dundee.

Farbtechnisch eine Umstellung: Während in Neuseeland vorwiegend helle Farben dominierten, erfüllt das schottische Wetter größtenteils das, was man im Vereinten Königreich erwartet.

 

Caird Hall a la Hogwarts: Traditionell halten Principal, Unipräsident, und Univertreter am ersten Unitag eine Rede. Der Ablauf gleicht einer Zeremonie mit Gewändern und einem Chor. Bei der Hymne der Universität müssen alle aufstehen, eine Art „Zepter“ wird unter großem Beifall durch den Saal getragen.

 

Marmeladen- und Textilproduktion, Walfang und britischer Marinestützpunkt: Damit erzielte Dundee in den letzten 100 Jahren rasant ansteigende Bevölkerungwachstumsraten (von 30.000 auf nun 161.000 Einwohner). Durch zahlreiche Sanierungsprogramme in den 60er und 70er Jahren hat Dundee heute den Status einer modernen Großstadt erlangt. Große Einkaufszentren, großzügige Fußgängerzonen und eine Strandpromenade am River Tay, der einige Kilometer von Dundee entfernt in die Nordsee mündet. In den kommenden Jahren finden an der Waterfront weitere Sanierungs- und Bauarbeiten im Umfang von einer Milliarde Pfund (1.4 Mrd. Euro) statt.

Die in Reiseführern so häufig gepriesene Freundlichkeit der Schotten („eine der gastfreundlichsten Kulturen“; Lonely Planet) scheint sich in den ersten Tagen zu bestätigen. Ob Supermarkt, Straßen-Ampel-Talk oder Pub-Bekanntschaft, die Schotten helfen gerne und lieben es, sich zu unterhalten. Auch nach der 3:2 Niederlage gegen Deutschland! 😉 Die ausgesprochen große Bierauswahl in Pubs entschädigt hingegen nur teilweise für die ebenso ausgesprochen hohen Bierpreise. Generell wird die Pubkultur in GB intensiver ausgelebt, d.h. familiärer, kommunikativer, traditioneller, schottische Live-Bands, als die manchmal etwas oberflächliche Biergartenkultur in Deutschland- nicht falsch verstehen, die ist super!

In nun mehr 2 Wochen hatte ich genug Zeit, andere ebenso motivierte Studenten kennenzulernen… glücklicherweise wurde der Fokus bei der Verteilung der Wohnheim-WG-Plätze eher auf Internationalität gesetzt. USA, Karlifornien, Belgien, Singapur und Deutschland sind bei den „29ers“, da wir in Flat 29 wohnen, vertreten. Gemeinsame Koch-, Cafe- und Pubabende stehen regelmäßig auf der Tagesordnung. Es ist immer was los: Es gibt eigens von der Uni eingesetzte Wohnheimtutoren, die sich um Wohlergehen von Bewohnern und Einrichtungsgegenständen kümmern. Als gewählter „Flat-Responsible“ bin ich dafür mitverantwortlich, dass das für alle Heathfield-Bewohner bereitgestellte Budget von 4000 Pfund für gemeinsame Aktivitäten sinnvoll ausgegeben wird. Der Heathfield-Wohnkomplex bildet einen eigenen kleinen Campus, auf dem gerade in den ersten Tagen und Wochen viele einzelne Events und Parties stattfinden, um die vielen internationalen Neuankömmlinge zu begrüßen und miteinander bekannt zu machen. Mein privater Freundeskreis ist ebenfalls sehr international gestreut, so habe ich mich neben einigen, wenigen Deutschen größtenteils mit Schweden, Finnen, Spaniern, Kanadiern, Italienern und, mit Kiwi-Kumpel Liam aus Neuseeland, angefreundet.

Zum Uni-Leben: Die verschiedensten Dokumente und Unterschriften habe ich mir in den letzten Tagen bereits zusammengesucht und zwischen Professoren und Mitarbeitern beider Unis hin- und her geschickt, sodass ich jetzt offiziell als Student an School of Business und School of Humanities eingeschrieben bin. Belegen werde ich in den kommenden 3 1/2 Monaten die Kurse Econometrics, Microeconomics und European Integration.

Persönlicher, familiärer. Für die Studenten wird bestens gesorgt. Neben unzähligen „Freshers-Veranstaltungen“ für die neuen Studenten gibt es zahlreiche universitäre Organisationen und Mitarbeiter, die mit Rat und Tat zur Seite stehen.  Studenten werden hier meiner Ansicht nach definitiv mehr wertgeschätzt und umworben, als ich das bisher in Deutschland wahrgenommen habe. Darüberhinaus wirkt die Entscheidung, sich an einer Uni für einen bestimmten Studiengang einzuschreiben, bewusster. „Ersteinmal einschreiben und abwarten, wie weit ich komme“ ist mir hier noch nicht begegnet. Dies liegt zum Teil wohl auch an den hohen Studiengebühren, die ohne günstige Studienkredite im 5-stelligen Bereich für viele Studenten wohl nicht zu stemmen wären. Erasmusstudenten profitieren von vertraglichen Abkommen zwischen Heim- und Partnerunis, sodass die Studiengebühren i.d.R. entfallen.

Dundee Memorial Hill – der höchste Punkt in Dundee

Wenn man aus dem Süden kommt, kann man Dundee über zwei Brücken erreichen. Zum einen über die Eisenbahnbrücke (mittleres Bild oben, rechte Brücke), zum anderen über eine 1,6 Meilen lange Fußgänger- und Autobrücke (mittles Bild oben, linke Brücke). Diesen Weg haben wir gestern auf uns genommen, um zu sehen, was sich auf der anderen Seite von Dundee befindet.

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