Königreich Swasiland – die einzige absolute Monarchie in Afrika

Seine Exzellenz König Mswati III., heute absolutistischer Herrscher des Königreichs Swasiland und Ehemann von inzwischen elf Frauen (es waren auch mal 15, so ganz weiß er das vermutlich selbst nicht – sein Vater König Sobhuza II. hatte es in knapp 70 Jahren Amtszeit allerdings zu stolzen 70 Frauen und über 200 Kindern gebracht), scheint keinen geringen Anteil an der großen Armut seiner Landsleute zu tragen. Immer wieder steht die Königsfamilie in der Kritik: ein 50 Millionen Dollar teurer Privatjet, Millionenschwere Paläste und Shopping-Ausflüge seiner Gemahlinnen nach Dubai, Mailand oder New York und ein Privatvermögen von über 200 Millionen Dollar. Ein wahrlich göttliches Leben — gerade wenn man berücksichtigt, dass Swasiland zu den ärmsten Ländern weltweit zählt.

Nach zweijähriger Dürre mussten im Jahr 2002 Hundertausende wegen Ernteausfällen hungern, unter anderem aber auch wegen schlechtem Management und mangelnder landwirtschaftlicher Erfahrung. Von Gewalt, Menschenrechtsverletzungen, medialer Unterdrückung und unangebrachter Anwendung der Todesstrafe ist nahezu wöchentlich die Rede. Über 10 Prozent der BürgerInnen können nicht lesen oder schreiben, das Jahreseinkommen pro Kopf liegt bei etwas über 3.000 Dollar und die Arbeitslosenquote bei 30 Prozent. Jeder Dritte trägt das HIV-Virus in sich – die weltweit höchste Aids-Rate überhaupt.

Aber – Swasiland ist landschaftlich vielfältig, besitzt eine reiche Kulturgeschichte und ist im Gegensatz zum Nachbarn Südafrika weitestgehend von Rassenkonflikten verschont geblieben. Die Naturschutzgebiete und Wildparks Swasilands zählen zu den schönsten Gegenden des südlichen Afrikas. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Tiere zu beobachten; Safaris laufen hier aber bedeutend zurückhaltender als in den großen kommerziellen Nationalparks von Südafrika ab. Hier kann man auch noch das scheue und fast ausgestorbene Spitzmaulnashorn in freier Wildbahn beobachten – aber auch Löwen, Elefanten & jahrtausendealte Stämme…

… wie z.B. im Mantenga Cultural Village im Ezulwini Valley, wo Besuchern der Swazi-Lifestyle der 1850er Jahre vermittelt wird. Dort erlebt man in kleinen Gruppen (meist sechs bis zehn) alte Traditionen und Swazi-typische Lebenskulturen. Die Stammesmitglieder – Strukturen sind wie heute noch hierarchisch, der König steht an der Spitze, die Königsmutter direkt darunter – leben noch heute in 16 selbstgebauten kleinen Strohhütten, zusammen mit Rind und Vieh. Nach einem 45-minütigen Rundgang wird selbst Hand angelegt – Mais mahlen, Gräser flechten und Swazi-Songs singen und tanzen – letzteres habe ich dann doch lieber den Profis überlassen.


Lebenslustig und traditionell sind die Swazis – sportlich interessiert sind sie aber auch: Wie an diesem Wochenende im National Stadium zu beobachten war. Das Stadion liegt direkt neben dem Parlament und dient nicht nur sportlichen Events, sondern auch Zeremonien und Auftritten seiner Majestät des Königs. Nun gut, der Bau ist wenig repräsentativ und ähnelt eher der Heimstätte eines abstiegsbedrohten Viertligisten – aber … es gibt ja noch zwei entscheidende Faktoren: Spieler und Fans.

Spieler waren an diesem Wochenende die Gefangenen, Green Mamba, und die Soldaten, Young Buffaloes, im legendären … Castle-Cup. Schwierig zu sagen, wer das Heimteam war.  Zur Halbzeit stand es bereits 2:2 und das gesamte Stadion hat bei allen vier Toren gejubelt. Das Ärztekommando musste über die kompletten 90 Minuten glücklicherweise nicht ausrücken. Die 30 Rand, umgerechnet zwei Euro pro Ticket, können sich nur wenige Swazis leisten – die, die herein gekommen sind haben dementsprechend gut gefeiert: mit Bier und Maiskolben (anstelle der geliebten Stadion-Wurst).


Hauptreise-Ziel waren jedoch weniger das Mantenga-Dorf oder Fussballstadion, sondern vielmehr der Hlane Royal National Park an der Grenze zu Mosambik. Ursprünglich diente die Region als privates Jagdgebiet der swasiländischen Könige, heute wird es (glücklicherweise) von privaten Trägern verwaltet – die allerdings in Form von gezielten Rodungen und Eingrenzungen in die Natur eingreifen. Der Park besteht hauptsächlich aus Waldgebieten und Feuchtsavannen und ist in mehrere Abschnitte unterteilt, damit die großen Tierarten in denen für sie vorgesehenen Bereichen bleiben.

Wir Praktikanten haben über Nacht in der im Park gelegenen Ndlovu Lodge übernachtet (und uns am Abend am großartigen Buffet satt gegessen) und am frühen Sonntagmorgen eine Sunrise-Tour gebucht, die wie folgt beschrieben wurde:


Sunrise Game Drive – Rise and shine to catch the first light of the sun as wildlife surrounds you! Watch the glorious African sun rise from a magical vantage point while you sip on fresh tea and coffee. With the help of excellent local Swazi guides in a sturdy game viewer, see if you can spot four of the Big 5 including lion and elephant and a whole host of other species such as springbok, impala, grey duiker, nyala, zebra, kudu, wildbeest, giraffe and bushbuck while they make their way to the Mahlindza waterhole for a morning drink.

Enjoy a calm, peaceful and tranquil game viewing experience which allows for close encounters with wildlife in Swaziland’s largest conversation area. A truly unforgettable experience!

 


 


Auf unserer Rückreise am späten Sonntagnachmittag machten wir noch Halt bei der Maguga Lodge in Piggs Peak. Während die Wasserfälle, die unser eigentliches Ausflugsziel hätten sein sollen ausgetrocknet waren, überraschten uns das leckere Essen, die tollen kleinen Wanderpfade und der ausreichend große Pool!


Über Kommentare, An- oder Bemerkungen freue ich mich immer sehr, daher gerne eine Email an marius.knickenberg@gmail.com.