#SA: Ist das eigentlich noch Südafrika?

Die Frage ist nicht ganz unberechtigt, schließlich begegnet man der immer wiederkehrenden Armut, die zumindest in den anderen Landesteilen herrscht, hier nicht. Die Westkap-Provinz, in der sich Kapstadt befindet, lockt zahlreiche Touristen auf Weingüter oder an die Traumstrände von Camps Bay und Clifton. Den Tafelberg besteigen jährlich Millionen Touristen, den Lions Head nur die Sportlichen von ihnen, und nicht minder viele Urlaubern besuchen das gar nicht mal so südliche „südlichste Ende“ des Kontinents – denn Kap Agulhas liegt nochmals südlicher als das Kap der Guten Hoffnung.

Der Tafelberg ist nicht nur Wahrzeichen Kapstadts sondern allem Anschein nach auch Bundesland Nummer 18 (nach Mallorca an Position 17). Wer rechtzeitig auf die Spitze kommen möchte muss sich früh anstellen, am besten 30 bis 45 Minuten bevor die Gondel öffnet (09:00). Bereits am Eingang werden die Tausenden Touristen in zwei Warteschlagen unterteilt: eine für Frühbucher (Internet) und eine für Tagestouristen. Und da Letztere durchschnittlich zwei bis drei Stunden länger warten haben wir spontan vor Ort Tickets für die Gondel im Internet gebucht (der mobilen Technik sei Dank).  Die Fahrt mit der 360° Panorama-Gondel, die häufig wegen schlechter Witterungsbedingungen (Wind, Regen, Wolken) still steht, dauert etwa vier bis fünf Minuten. Und da dies alles so wunderbar funktioniert hat, konnten wir an diesem Tag den Tafelberg als Erste betreten – der Blick auf Kapstadt ist einmalig!

Der Lions Head (links oben im Bild) ist vergleichbar schön, aber um einiges schwieriger zu erklimmen. Zusammen mit Devil’s Peak und Signal Hill gehört er zum Massiv des Tafelbergs im Table Mountain National Park. Mitten in Kapstadt gelegen, befinden sich nördlich die Gefängnisinsel Robben Island und die Victoria & Alfred Waterfront mit vielen netten Restaurants, Cafes, dem WM-Stadion und der kilometerlangen Strandpromenade. Im Osten befindet sich die Innenstadt mit dem Malaysia-Markt und weiteren, kleinen Food- und Souvenir-Märkten und im Westen wohnen in Clifton und Camps Bay die Superreichen.

Knapp 50 Kilometer südlich von Kapstadt liegt das neben dem Tafelberg ebenso bestens bekannte Kap der Guten Hoffnung. Dieses wird von vielen Touristen als südlichester Punkt Südafrikas gesehen, ist aber lediglich der Süd-Westlichste (Kap Algulhas liegt 140 Kilometer weiter östlich und ist tatsächlich der Schlusspunk des gesamten afrikanischen Kontinents). Die Fahrt zum Kap führt durch das gleichnamige Natur Reservat und bietet viele verschiedene Zwischenstops für kleinere Wanderungen. Im Gegensatz zum Großteil der Game Reserves in Südafrika steht hier die Landschaft und nicht die Tierwelt im Vordergrund, dennoch gibt es vereinzelt Strauße, Elefantenantilopen, Baboons aber auch Puffottern und Kobras – achja, und Pinguine!

Zu Township-Touren kann man stehen wie man möchte. Manche finden es nicht gut, dass vermeintlich reiche Touristen aus Europa Geld dafür bezahlen um das Leid anderer zu sehen. Dann gibt es widerum solche, die sich in der Heimat gegen afrikanische Flüchtlinge aussprechen aber im selben Zug auf Safari- und Erlebnistour in Afrika gehen. Ich bin der Meinung, dass ein „Besuch“ eines Townships aus kultureller Sicht zu einem Afrikaaufenthalt dazu gehört – ungeachtet dessen, dass sowohl Tour-Veranstalter als auch Township-Kommune von diesem Tourismus profitieren.

In und um Kapstadt liegen viele Townships, wie etwa Langa, Nyanga, Gugulethu, Bishop Lavis und viele mehr. Generell unterscheiden sich diese Orte stark: In manchen gibt es Bandenkriege und Drogenhandel, in anderen widerum sogar Wasser- und Stromanschluss oder staatlich subventionierte Wohnanlagen (die allerdings nicht gerade nach einem festen Schema verteilt werden). In Langa besuchten wir ein Hostel, indem in Zimmer zu je fünf Quadratmetern acht Familien wohnen – wie das auf Dauer funktionieren soll kann ich bis heute nicht nachvollziehen. In Nyanga aber schafft Tourismus über 100 Arbeitsplätze und sorgt dafür, dass die Straßen aufgeräumt sind und Rechtskräfte für Ordnung und ‚Sicherheit‘ sorgen. Auch wenn die Menschen realisieren wie wenig sie besitzen: viele scheinen glücklich und zufrieden und Kinder sind trotz dieses tristen, grauen Umfelds fast immer ordentlich gekleidet. Neben vielen interessanter Einblicken bleibt ein nachdenkliches und mulmiges Gefühl – gerade vor dem Hintergrund, dass man Neues nun einmal immer mit dem vergleicht, was man bereits erlebt hat oder aus der Vergangenheit gewohnt ist.


Der nächste und vorerst letzte Afrika-Beitrag handelt von der Weinregion Stellenbosch, Shark-Diving-Erfahrung in Hermanus und dem L’Agulhas Point, wo indischer und atlantischer Ozean aufeinander treffen.

Zum Abschluss noch ein Bild zum Thema: Baustellenmangement in Südafrika und wie viele Arbeiter man eigentlich benötigt. 🙂


Über Kommentare, An- oder Bemerkungen freue ich mich immer sehr, schickt daher gerne eine Email an marius.knickenberg@gmail.com.

 

 

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