Bitter arm und tragisch schön – Mountainbiking in Lesotho

Als einziges unabhängiges Land der Welt liegt das gesamte Staatsgebiet Lesothos oberhalb von 1.000 Metern Höhe, und weite Teile Lesothos liegen sogar über einer Höhe von 1.800 Metern. Starke Temperaturschwankungen, zahlreiche Dürren und Überschwemmungen, schlechte bis gar keine Ernten – über die Hälfte der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze von 1,25 US-Dollar pro Tag, die Arbeitslosigkeit liegt offiziell bei 26 Prozent und inoffiziell wohl noch viel höher, die Lebenserwartung beträgt gerade einmal 50 Jahre – nicht zuletzt auch weil jeder Vierte mit HIV infiziert ist. Der Human Development Index, der Lebenserwartung, Schulbildung und Einkommen gewichtet, rankt Lesotho auf Platz 161 und damit zu den am wenigsten entwickelten Staaten der Erde.

Das Bruttoinlandsprodukt liegt bei gerade einmal 2 Mrd. US-Dollar – das ist 320 Mal weniger als das BIP des Bundeslandes NRW – woher soll also das Geld kommen? Mehr als 90% der Bevölkerung leben von der Landwirtschaft. Das Land, in dem es außer einer langen Hauptstraße lediglich Häuser und Hütten gibt, kann aber nur 8% der Fläche für den Feldbau nutzen (von denen wiederum nur 1% aktiv genutzt wird). Warum? Zunehmende Dürreperioden, fehlende Investitionen, die Auswirkungen von HIV/Aids und fehlendes know-how verhindern, dass dieses landwirtschaftliche Potenzial genutzt wird/werden kann.

Die starke Zentralisierung Lesothos auf die Hauptstadt stellt ein großes Problem dar. Während öffentliche Dienstleistungen wie Trinkwasserversorgung, Elektrizität, Überwachung, Handyempfang etc. in Maseru noch weitestgehend sichergestellt sind, fehlt es außerorts an nahezu allem. Es ist nicht schwierig zu sagen was fehlt, denn … es gibt einfach nichts. Keine Fabriken, Restaurants, Tankstellen, Einzelhandel, Supermärkte – dagegen scheint Südafrika der Garten Eden zu sein, und dass ist definitiv nicht der Fall. Es untermauert einfach nur wie bitter-arm die Menschen dort sind.


Nach langer Anfahrt und erster Übernachtung in der Hauptstadt Maseru trafen wir am nächsten Tag an der sehr bekannten Malealea Lodge ein, die 2012 vom Reiseführer Lonely Planet zu einem der 10 besten Ausflugsziele weltweit gekürt wurde. Die Unterkunft liegt etwas abseits der Straße in den Bergen und bietet neben kulturellem und kulinarischem Verwöhnprogramm hervorragende Wander- und Ausflugsmöglichkeiten.

Wir, die acht Botschafts-Praktikanten, entschieden uns für eine sieben-stündige Mountainbike-Tour, die vorbei an von-der-Welt-abgeschnittenen „Dörfern“ und steppen-artigen Landschaften über 28 Kilometer zum Botsoela-Wasserfall führte. Bei Temperaturen über 30 Grad, knapp 2.000 Metern Höhe und zweimonatigem Sportmangel war dies ein kräftezehrendes Erlebnis, das am Abend mit Maluti (Local-Bier), T-Bone-Steak, Coleslaw und Pap (Maisbrei) wertgeschätzt wurde.

Mit dem (gerade) endlich einsetzenden Regen und einem Bild der beliebten Jacaranda-Bäume, die nur im Oktober blühen, verabschiede ich mich aus der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria und ziehe weiter. Morgen steht der letzte Arbeitstag an.


Über Kommentare, An- oder Bemerkungen freue ich mich immer sehr, schickt daher gerne eine Email an marius.knickenberg@gmail.com.