Bienvenue au Canada – Wintereinbruch in Montreal

– 22 Grad, eisiger Wind und ein plötzlicher Schneesturm … wer dies während einer Kanada-Reise vermeiden möchte, sollte den Flug besser für die wärmeren Sommermonate buchen. Auf Grund eines Uni-Seminars in Montreal lässt sich die Anreise im Wintermonat März nicht vermeiden – wer jedoch kälteunempfindlich ist und den Witterungsbedingungen trotzt wird sich unter Umständen schnell in dieses Land verlieben.

Model United Nations, kurz MUN, ist eine Art Simulation für Studenten, in der die Arbeit der Vereinten Nationen nachgestellt wird. Dabei schlüpft jeder Student in die Rolle eines Delegierten, der die Haltung eines ihm zugeteilten Landes zu jeweils zwei Themen vertritt, wie zum Beispiel zu territorialen Konflikten im Nordpolarmeer (Politik-Council), dem Einsatz vom Chemiewaffen in Syrien (NATO) oder nachhaltigen Ansätzen zur Überwindung von Flüchtlingscamps (Ausschuss für Menschenrechte). Ein Komitee setzt sich aus etwa 30-40 Delegierten zusammen, die sowohl im großen Plenum zu verschiedenen Unterthemen als auch untereinander diskutieren und dabei die Interessen und Werte ihres Landes gegenüber Anderen vertreten. Ob gemeinsam ausgearbeitete Ansätze letztlich von allen Ländern akzeptiert und ob diese als Resolution verabschiedet werden, entscheidet eine Abstimmung am Ende. An der vom 13. bis 17. März stattfindenden Konferenz in Montreal nehmen über 2.500 Studenten aus 115 Ländern teil… ach ja, ich vertrete Pakistan u.a. zu territorialen Konflikten und Ressourcenverteilung im Nordpolarmeer – mal sehen ob sich Pakistan künftig Einfluss im Norden sichern wird … 🙂

Der Hausberg Mont Royal ist 223m hoch und Namensgeber der Stadt Montreal – er liegt mitten im Zentrum und bietet einen fantastischen Ausblick über die gesamte Umgebung und den St. Lorenz-Strom.

Und zu Montreal? Montreal ist mit etwas weniger als zwei Millionen Einwohnern sowohl die zweitgrößte Stadt Kanadas (nach Toronto) als auch die zweitgrößte Stadt der Welt, in der französisch als Muttersprache gesprochen wird (nach Paris). Interessant ist, dass unterhalb von Montreal eine weitere „Stadt“ existiert, die sogenannte Underground-City. Wer möchte kann praktisch mehrere Wochen unter der Erde leben, da durch das kilometerweite U-Bahnnetz bequem dutzende Einkaufszentren, Bahnstellen oder Veranstaltungsorte erreicht werden können. Dies hat den Vorteil, dass man im Sommer vor heißen Temperaturen (bis zu 40 Grad) und im Winter vor durchschnittlich 60 Schnee-Tagen und eisigen Temperaturen (bis zu – 37 Grad) geschützt ist – allerdings besteht dann die Gefahr zu übersehen, dass auch bei kalten Bedingungen schöne Eindrücke entstehen können!

Nicht zuletzt ist Montreal wegen seiner berühmten Altstadt (Vieux-Montreal) ein wahrer Touristen-Magnet. Der Architekturstil ist ein Mix aus amerikanischer, britischer und französischer Bautradition aus den letzten vier Jahrhunderten, den man sowohl in Kirchen, Banken, Hotels und dem Rathaus wiederfindet. Nach Wolkenkratzern und einer Skyline, wie sie etwa in Toronto, Boston oder New York City vorzufinden ist, sucht man allerdings vergeblich, da die städtische Bauordnung vorschreibt, dass kein Gebäude höher als die Gipfelhöhe des Mont Royal sein darf.

Obwohl bei Ankunft noch grau und trocken, sorgte ein Schneetief innerhalb von 24 Stunden für 65 Zentimeter Neuschnee und geschlossene Schulen zur Wochenmitte.

Nicht nur Untergrund-, sondern auch Sport- und Kirchenhauptstadt – Montreal war 1976 Ausrichter der Olympischen Sommerspiele. Der Oympiapark dient noch heute als Trainingszentrum für die besten Sportler des Landes, auch der heimische Fussballklub Montreal Impact trägt hier seine Heimspiele aus. Darüber hinaus befindet sich nur einige Kilometer außerhalb des Stadtzentrums die Formel 1- Rennstrecke „Gilles Villeneuve Circuit“, die bei den aktuellen Witterungsbedingungen kaum als solche zu erkennen ist, aber sicherlich bis zum 11. Juni 2017 geräumt und hergerichtet sein wird – denn dann findet der Grand Prix von Kanada statt.

Eisig und fast zugefroren – der St. Lorenz-Strom ist der drittgrößte Fluss Nordamerikas und verbindet die fünf „Großen Seen“ mit dem Atlantik.

Unter zahlreichen Kirchen beeindruckt vor allem die Basilika Notre-Dame de Montréal, die vor über 350 Jahren errichtet und vor 35 Jahren von Papst Johannes Paul II. zur „basilica minor“ ernannt wurde. Im Zuge der Stillen Revolution in der Geschichte der Provinz Québec, die von der Säkularisierung der Gesellschaft und der Schaffung eines Wohlstandsstaates gezeichnet war, sank der Anteil der regelmäßigen Kirchgänger zwischen 1960 und 2014 von 90% auf 6% – dies ist der tiefste Stand in der gesamten westlichen Welt.

 


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